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«Perfektes» Design

Aktualisiert: 10. Mai

Einst sagte mir ein talentierter Designer, ich solle meine Leidenschaft für Design anfangen zu leben, indem ich versuchte, meine Wohnung perfekt einzurichten.


Ich habe nicht nachgefragt, was er meinte mit dem Begriff «perfekt». Ich wusste, er wollte, dass ich Räume erkenne, sie bewusst wahrnehme und jeden Meter bewusst gestalte. Unabhängig davon, ob ich einen Stil verfolgte oder nicht, ich ging immer davon aus, dass es zuerst um den Raum an sich ging. Darum die räumlichen Gegebenheiten zu erkennen und damit zu arbeiten. Ich fing damit an, die Räume in meiner eigenen Wohnung bewusst wahrzunehmen und mich zu fragen, ob ich jeden Meter perfekt nutzte, ob mehr oder weniger Möbel der Perfektion dienten. Dabei definierte sich der Begriff «perfekt» praktisch für jeden Raum immer neu. Es eröffnete sich mir die Idee, dass sich ein roter Faden in meiner Wohnung zu erkennen geben musste und ich in meinen Räumlichkeiten einen gewissen Stil zum Thema machen musste. Schnell bemerkte ich, dass das Vorleben von gewissen Stilen nichts weiter bedeutete, als nur gerade einen Stil vorzugeben, ohne dass er mich tatsächlich berührte. Ich fragte mich jetzt zum ersten Mal, was «perfekt» für mich tatsächlich bedeutete. Und ich kam zum Schluss, dass «perfekt» bedeutete, dass ich einerseits dem Raum an sich mit seinen Gegebenheiten gerecht wurde, ihn als solchen mit seinen Eigenschaften wahrnehmen konnte und anerkannte und andererseits, dass ich einen Stil leben konnte, den ich mochte, der sich gut im Raum einfügte, aber vor allem meinem Geschmack entsprach und keine Kompromisse im Komfort einging. Für das Auge ästhetisch, leicht und beweglich wirkte, aber gerade genug Ausdruck hatte, um genügend Daseinsberechtigung zu erhalten.

Ich schwärme von Modernität, purer Eleganz, klaren Linien, schwebenden Möbeln und feinen Strukturen. Ich bin aber gleichzeitig begeistert von massigen Steinen wie Marmor oder Granit, und ich bin fasziniert von antiken Kommoden. Ich bin aber auch begeistert von neuen, jungen Designerinnen und Designern, die ihrer Leidenschaft folgend nachhaltig perfekte Lösungen entwickeln, die weniger die Opulenz bedienen. Für mich schliesst indes das eine nicht das andere aus. Sie können sich höchstens fragen, ob sich das eine wirklich mit dem anderen kombinieren lässt. Letztlich sollte es aber darum gehen, dass Sie einen Weg finden, den für Sie perfekten Stil zu leben, ohne sich dabei verbiegen zu müssen.

Ich werde in Kürze eine neue – meine eigene – Wohnung «perfekt» einrichten. Halten Sie sich auf dem Laufenden. Es wird eine spannende Reise. Ich freue mich darauf.

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